Gehorsam kann schädlich sein – Vorsicht im Umgang mit netten Menschen

Schon in der Kindheit haben wir gelernt folgsam, artig und immer freundlich zu sein.

Wir sollen bei unseren Mitmenschen nicht anecken, nicht negativ auffallen denn sie haben die Regeln begriffen und halten sich auch daran. Nette Menschen sind umgänglich und verträglich denn sie sind pflichtbewusst und gewissenhaft. Sie ecken nicht an, gehen Streit aus dem Weg und wissen, was von ihnen erwartet wird. Durch ihr Verhalten haben sie Ruhe und diese schätzen die netten Menschen denn sie riskieren nicht gerne Sympathien. Ist das gut? NEIN, nicht zwingend.

Persönlich habe ich bereits vor einigen Jahren erkannt wie scheinheilig dieses nette Verhalten ist und habe es abgelegt. Dadurch ecke ich aber immer wieder an. Ich weise egoistische Züge auf und hinterfrage allgemeingültige Regeln. Ich fühle meinen Mitmenschen gerne auf den Zahn und schaue hinter die Fassade, was nicht immer geschätzt wird. Ich bin lieber echt und ehrlich und schätze diese Eigenschaften auch bei meinen Mitmenschen. Oberflächliche Freundlichkeit und Gesäusel sind mir heute ein Gräuel.

Hier einmal eine etwas andere Sicht auf die sogenannt netten Menschen! Die Persönlichkeit wiegt schwer, wenn es darum geht, ob wir „schrecklich“ folgsam sind. Aus dem Milgram-Experiment (1961) konnten schockierende Ergebnisse hinsichtlich des tatsächlichen Vorhandenseins von blindem Gehorsam beim Menschen unter bestimmten Situationen gewonnen werden. Die Bereitschaft von erwachsenen Menschen, einer Autorität fast beliebig weit zu folgen, ist das Hauptergebnis dieser Studie. Das Ergebnis ist erschreckend: mehr dazu hier.

Auch ein modernes Milgram-Experiment schockiert Frankreich. Es zeigt, dass TV-Kandidaten nicht davor zurückschrecken, Mitspieler mit Stromschlägen zu foltern. Achtzig Prozent spielten widerspruchslos mit und leisteten jeder Aufforderung Gehorsam. Die Zusammenfassung in der FAZ.

Jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass er für sein eigenes Verhalten immer die Verantwortung trägt. Diese kann keiner Autorität übertragen werden. Menschen mit diesem Bewusstsein haben bessere Chancen, in ihrem Leben nicht ein Opfer ihres eigenen blinden Gehorsams zu werden. Eigensinn und Tiefgründigkeit sind somit Charaktereigenschaften, die gefördert und nicht verteufelt werden sollten. Die kritischen Mitmenschen gilt es zu schätzen auch wenn sie die geschätzte Ruhe ins Wanken bringen können.

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