Mutter sein

Die Zeit verfliegt und wir sind nun schon seit 12 Wochen glückliche Eltern. In den letzten Wochen haben mir einige Unterhaltungen mit Mitmenschen zu denken gegeben.

Seit wir Eltern sind und ich als Mutter in Erscheinung trete haben viele Mitmenschen, vor allem Frauen, das Bedürfnis sich mit mir über meine Familie zu unterhalten. Das Interesse an meinem Dasein als Mutter scheint viel grösser zu sein als das Interesse an meinem Beruf oder an meinen Hobbies. Nach den ersten Höflichkeitsfloskeln wird mir immer die Frage nach der künftigen Kinderbetreuung gestellt wodurch ich regelmässig für Irritation bei meinen Gesprächspartnerinnen sorge. In unserem Familienmodell gehe ich als Mutter bald wieder zu 100% arbeiten und der Vater kümmert sich um unsere Tochter. Ich selber betrachte Mutter und Vater als gleichwertige Bezugspersonen für das Kind und bin nach den letzten Gesprächen etwas irritiert darüber wie selten diese Einstellung akzeptiert wird.

Mitmenschen sagen viel auch wenn sie sie gar nicht nach ihrer Meinung gefragt werden. Ich höre mir das an aber nehme mir auch das Recht andere Meinungen von mir zu weisen. Seit ein paar Wochen erst realisiere ich, dass das Bild einer Mutter in unserer Gesellschaft allgemein noch immer von einer selbstlosen, aufopfernden Frauenrolle geprägt ist. Ich halte mir lieber ein afrikanisches Sprichwort vor Augen.

Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

 

Hier meine persönliche Einstellung zu den Themen, welche in den letzten Wochen regelmässig diskutiert wurden.

Vater: Er betreut das Kind genau so gut wie ich als Mutter. Er macht viele Dinge anders als ich und das ist gut so. Ich hüte mich davor mich einzumischen oder ihm Vorschriften zu machen. Warum sollte ich?

Haushalt: Dieser ist bei uns auf zwei Personen aufgeteilt und das war schon so bevor unsere Tochter auf die Welt kam. Hier streben wir keine Perfektion an sondern leben einen gesunden Pragmatismus. Haushalt und Mutterschaft sind zwei unterschiedliche Themen!

Mutter/Schwiegermutter: Diese beiden Frauen haben ihre eigene Erfahrung und Meinung und wollen diese kundtun. Sie meinen es gut mit ihren Ratschlägen auch wenn es in den eigenen Ohren vielleicht nicht so tönt. Die Kunst ist, richtig hinzuhören und nicht so empfindlich zu sein. Das Verhältnis zu Mutter und Schwiegermutter pflege ich und trage ihm Sorge denn die beiden sind eine grosse Hilfe. Sie haben Zeit und sind motiviert das Baby zu hüten und diese Motivation will ich aufrechterhalten. Ich schreibe ihnen so wenig wie möglich vor denn sie dürfen unsere Tochter anders behandeln als wir Eltern. Das ist der Grosselternbonus.

Babysitter: Ich habe mir verschiedene Babysitter angesehen indem ich Vorstellungsgespräche geführt habe. Sie leisten während meinem Mutterschaftsurlaub auch bereits die ersten Einsätze. Das mache ich ganz bewusst während meines Mutterschaftsurlaubs weil ich dafür die Zeit habe. Das Vertrauen zu einer familienfremden Person muss ich aufbauen können und ich muss lernen unsere Tochter in fremde Hände geben zu können. Beides benötigt seine Zeit; viel Zeit.

Die französische Feministin und Philosophin Elisabeth Badinter, die selbst Mutter ist, hat für sich eine eigene Definition von einer guten Mutter gefunden: „Eine gute Mutter ist eine, die es schafft, eine gewisse Distanz zu ihrem Kind zu halten, nicht zu nah, nicht zu weit weg zu sein, ihm zu geben, was es braucht, es nicht zu unterdrücken, nicht zu abwesend und nicht ständig anwesend zu sein. Irgendetwas genau dazwischen, aber das ist leider extrem rar.“

Mit dieser Definition kann ich mich gut identifizieren.

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Kommentare

  1. Eine sehr bewusste, reflektierende und wahre Darstellung, der ich nur voll und ganz zustimmen kann. Viel Erfolg und Glück weiterhin

    • Sehr geehrte Frau Korosec Jensen,

      ich bedanke mich für Ihre Zeilen und Wünsche.
      Herzliche Grüsse
      Esther Niffenegger